1. IHT Reinsehlen 21.-23.09.2001

Das 1. Internationale Heide-Treffen war für meine Freundin und mich das erste Teleskoptreffen. Leider war laut Wettervorhersage keine Besserung des bereits ca. drei Wochen dauernden schlechten Wetters in Sicht. Da sich bei mir ausserdem eine Erkältung ankündigte, zogen wir es vor, kurzfristig ein Zimmer im Camp Reinsehlen zu buchen anstatt zu zelten.
Wir hatten Urlaub und konnten uns so am Freitag bereits gegen halb zwei auf den Weg machen. Zwar konnten wir dem Feierabendverkehr nicht völlig entgehen, aber wir kamen dennoch einigermassen flott voran. So gegen viertel nach fünf erreichten wir das Camp Reinsehlen. Wie sich herausstellte, lag das Gästehaus direkt am Beobachtungs- und Campinggelände. Nachdem wir uns im Zimmer eingerichtet und einen kurzen Blick über das Gelände geworfen hatten, fuhren wir erst noch mal nach Schneverdingen, den nächsten grösseren Ort, um ein paar Vorräte einzukaufen.
Langsam sammelten sich die Teilnehmer, die bereits ihre Zelte aufgebaut hatten, am Pavillon der Veranstalter. Dieser war allerdings angesichts der dauernden Regenschauer noch nicht besetzt. Die Anmeldung sollte erst am nächsten Tag erfolgen. Teleskope hatte vorsichtshalber noch niemand aufgebaut, lediglich ein paar Stative waren bereits zu sehen, jedoch alle mit Planen abgedeckt. Noch bis kurz nach 22:00 Uhr haben wir uns gut unterhalten, neue Bekanntschaften geschlossen, einige Astrodias betrachtet und immer wieder ein paar Sterne durch Wolkenlücken aufblitzen sehen (das Wort »Fix«stern hatte eine ganz neue Bedeutung bekommen :) ).
Am Samstag trafen wir die ersten Camper beim Frühstück. Leider waren wohl nicht alle Teilnehmer trocken durch die Nacht gekommen. Dennoch war die Stimmung gut. Das Wetter war zumindest trocken, wenn auch der Himmel nach wie vor dicht bewökt blieb. So wurden denn auch bald die ersten Teleskope aufgebaut und die Fachsimpeleien begannen. Nachdem wir uns ein wenig umgesehen haben, entschlossen wir uns, das Nexstar 5 aufzubauen. Ein Teilnehmer hatte in ca. 300 m Entfernung eine Testtafel aufgebaut, die ich mit dem kleinen 5zöller auch mal anpeilen wollte. Mit dem Ergebnis kann ich zufrieden sein, wie mir von verschiedenen Teilnehmern bestätigt wurde.
In der Zwischenzeit waren auch unsere Bekannten von der »Aussenstelle Nord« des Turtle Star Observatory, Cyril und Ilonka Rohacek, eingetroffen und wir haben uns bei den Veranstaltern angemeldet. Leider gab es Unstimmigkeiten bei der Höhe der Beiträge. Diese wurden zwar rasch und unkompliziert behoben, aber eine Liste der Beiträge an der Kasse hätte erst gar keine Fragen aufkommen lassen.
Mittlerweile war es angenehm warm geworden und die Wolkendecke schien dünner zu werden. Tatsächlich brach die Sonne kurz darauf durch die Wolken, aber leider nicht für lange. Dennoch gelang es uns, einen kurzen Blick auf sie zu werfen. Dies war aber leider auch unsere einzige astronomische Teleskopbeobachtung an diesem Wochenende.
Fast die gesamte Zeit haben sich erfreulich viele Besucher und Teilnehmer für meine Ausrüstung interessiert und viele Fragen gestellt. Dabei ging es hauptsächlich um die allgemeine Zufriedenheit mit dem Teleskop und der Stromversorgung in Form eines Blei-Gel-Akkus. Es wurde aber auch nach der optischen Qualität gefragt und spezielle Fragen zur Computersteuerung bzw. der Genauigkeit des Gotosystems gestellt.
Am Nachmittag kam es dann, wie es kommen musste. Im Westen zogen dunkle Wolken auf und bald konnte man Gewitterdonner hören. Einige Optimisten meinten zwar, dass würde vorbeiziehen, wurden aber bald eines Besseren belehrt. Das Gewitter brachte einen ergiebigen Regen mit sich. Wir hatten bereits alles wieder im Auto verstaut und uns rechtzeitig untergestellt. Als der Regen ein wenig nachliess, gingen wir zum Vortragsraum. Dort war für den Nachmittag ein An- und Verkauf für die Teilnehmer geplant, der aber scheinbar auf wenig Verkaufsinteresse stiess. Die Veranstalter hatten zwar einige Artikel aus dem Vehrenberg Sortiment bereitgehalten, aber aus dem Kreis der Teilnehmer kamen fast keine Verkaufsangebote. Weitere Händler hatten die Anreise wohl auch gescheut, zumal das Wetter eine nur kleine Teilnehmerzahl vermuten liess und sicher erstmal abgewartet wird, ob die Anwesenheit auf diesem neuen Teleskoptreffen rentabel sein kann.
Nachdem wir uns mit Kaffee und Kuchen aufgewärmt und gestärkt hatten, der Regen aufgehört hatte, schlenderten wir wieder über das Gelände. So konnten wir Cyril und Ilonka nach einmal die unserer Meinung nach interessantesten Teleskope zeigen, bevor im Vortragsraum die angekündigten Vorträge begannen.
Zuerst begrüssten die Veranstalter noch mal alle Teilnehmer gesammelt und erzählten von der Vorgeschichte und ihrer Motivation, dieses Teleskoptreffen zu veranstalten. Dabei kamen natürlich auch verschiedene Probleme sowie die Kostenseite zur Sprache, aber auch, wie die Veranstalter sich die weitere Entwicklung vorstellen. Danach fragten sie nach Verbesserungsvorschlägen der Teilnehmer und der allgemeinen Zufriedenheit mit der Veranstaltung.
Es folgte ein Vortrag über den Planeten Pluto, seine Entdeckung und seinen durch neue Beobachtungen grosser Planetoiden am Rand des Sonnensystems fragwürdig gewordenen Status als Planet. Auch die Möglichkeit eines weiteren grossen Planeten ausserhalb der Plutobahn als Erklärung für noch nicht verstandene Bahnstörungen von Neptun wurde diskutiert.
Anschliessend spannte Christian Harder mit seinem Diavortrag einen bunten Bogen von Planetenbildern über Deep-Sky-Objekte bis hin zu Polarlichtaufnahmen. Einige Objekte zeigte er dabei auch zweimal, allerdings jeweils mit einem anderen Film aufgenommen, um die Unterschiede in der Farbgebung herauszustellen.
Der letzte Diavortrag stellte ein ambitioniertes Selbstbauprojekt vor, und zwar den Bau einer Sternwartenkuppel. Genau genommen wurde der Bau zweier Kuppeln dokumentiert. Hierbei wurde auch deutlich auf die beim Bau der ersten Kuppel gemachten Erfahrungen hingewiesen. Aber auch beim Bau der zweiten Kuppel hat der Konstrukteur noch dazugelernt, wie er eingestand.
Natürlich zeigte sich die Sonne gleich zu Beginn der Vorträge. Allen Teilnehmern stand die vage Hoffnung, doch noch einen Blick auf die Sterne erhaschen zu können, deutlich ins Gesicht geschrieben. Aber zum Ende des letzten Vortrags war der Himmel wieder komplett bewölkt. So zogen wir es dann vor, das Treffen vorzeitig zu beenden und Cyril und Ilonka nach Hause zu begleiten. So konnten wir dann am nächsten Morgen noch einen Blick auf ihre im Garten aufgebaute Säule werfen, bevor wir endgültig wieder Richtung Heimat fuhren. Aber trotz des miserablen Wetters war es ganz sicher nicht unser letztes Teleskoptreffen. Und auf das 2. IHT Reinsehlen freuen wir uns auch schon. Ortsansässige Besucher bescheinigten dem Beobachtungsplatz eine hohe Qualität, so dass man auf die weitere Entwicklung dieses nach Angaben der Veranstalter einzigen Treffens in Norddeutschland gespannt sein darf.

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Letzte Änderung am 16.10.2001 durch webmaster@torstendaiber.de