Celestron CM1400

CM-1400 Endlich war es soweit. Ich habe mir meinen 20 Jahre alten Traum erfüllt und ein C14 erstanden. Nachdem der Deal mit einem gebrauchten Gerät, das mir aus der Schweiz angeboten wurde, geplatzt ist, habe ich mich nach einem anderen umgesehen. Und tatsächlich habe ich recht schnell bei Photo Universal eins erspäht. C14 OTA als Ausstellungsstück, noch mal günstiger als ohnehin schon in der Sonderaktion. Dazu ebenfalls die CI 700 Montierung als Ausstellungsstück. Also, ein komplettes CM-1400, wie ich es aus der Schweiz haben wollte, allerdings diesmal ein neuer Tubus, der Fastarkompatibel* ist.
Diese Option habe ich dann gleich mitbestellt, ebenso wie den Advanced Astro Master**, da die digitalen Teilkrese ebenfalls aus der Ausstellung zu haben waren. Am Preis liess sich da auch noch was machen, allerdings musste ich noch warten, da die Fastaroption und der AAM erst bestellt werden mussten. Ausserdem wurde mir dann eine Taukappe aus Geax, oder so ähnlich, angeboten. Der Verkäufer und Kollegen haben sich die Rohre besorgt und noch was übrig gehabt. Das ging also von privat und war auch schon fix und fertig geschwärzt etc.
Die Vorfreude war riesig, auch weil die Teile alle voraussichtlich noch in der gleichen Woche eintreffen sollten. Als Doris mich dann Mittwoch vormittag anrief (also einen Tag nach der Bestellung), dass Photo Universal sich gemeldet hat, weil alle Teile da sind, war ich allerdings doch etwas platt. Schnell zurückgerufen und mein Kommen für Donnerstag angekündigt.
Donnerstag morgens als erstes zur Bank, Geld holen, und dann habe ich mich auf den Weg nach Stuttgart gemacht. Mittwoch abend hat mir noch Robert aus Ulm gemailt, dass er mittags bei disem Händler war, die Montierung gesehen hat, und dabei so an mich dachte :).
Tja, und dann stand ich auch schon nur wenige Stunden später vor meinem Traum. Herr Idler von PU hat mir alles gezeigt, Ausstattung etc. (zum Glück kam mir noch der Gedanke, nach einem anderem Okular zu fragen, wer braucht schon ein drittes 25mm?). Dann haben wir die Montierung auseinandergenommen. Das war für den kommenden Abend sehr hilfreich, brauchte ich doch nicht erst die langweilige Anleitung zu lesen.
Der Rückweg zog sich natürlich wie Kaugummi, nicht nur wegen des Verkehrs. Ein sehr schöner Sonnenuntergang mit prächtigen Farben, sowie der Wetterbericht verhiessen nur Gutes. First Light mit einem Riesenteleskop gleich am ersten Abend? Unglaublich, aber so steht es hier geschrieben. Wenn ich es nicht besser wüsste, müsste ich mich für ein Sonntagskind halten ;).
Kurz nach 20 Uhr haben Doris und ich das Auto leer geräumt, anders kann man es nicht nennen, den ich fahre immerhin einen Sharan. Und der war ziemlich voll! Es blieb kaum Zeit, die Neuigkeiten des Tages auszutauschen (nun, meine waren mehr als offensichtlich), der Himmel lockte. Also habe ich auf dem Balkon das Stativ aufgebaut, Montierung drauf und alles angeschlossen (hoffentlich bricht der Balkon nicht ab).
Dann ging's los: Wie setzt man das Teleskop auf die Montierung? Also technisch gesehen war das schon klar. Aber rein körperlich? Zusammen haben wir uns ordentlich angestrengt und dann klappte es irgendwie doch. Da ist noch ein gewisses Lernpotential drin. Danach wusste ich auch, wieso die Polausrichtung als Letztes in der Anleitung beschrieben ist. Das Stativ rutscht einfach weg, wenn zwei Leute an dem ca. 20-25 kg schweren Tubus rumfuchteln.
Na gut, ausbalancieren (DAS hat gedauert, die Schwalbenschwanzklemmung für solch schwere Tuben sollte verboten werden), wieder ausrichten, Taukappe drauf. Endlich. Na ja, nicht ganz, der Sucher fehlte noch. Aber dann. Sucher ausrichten M31 anvisieren.
Na ja, grösser, wegen der Brennweite, natürlich heller, aber sonst? Sicher bin ich kein geübter Beobachter, vielleicht hat auch der Himmel nicht mehr hergegeben. Dennoch habe ich mich paar ein Minuten ins das Bild vertieft und noch ein wenig besser gesehen. Aber das wirklich Erstaunliche war, dass unser seeehr wackliger Balkon sich praktisch nicht bemerkbar gemacht hat. Das war vorher meine grösste Sorge.
Danach habe ich mal M15 mit dem Sucher gefunden, ein Blick ins Okular, WOW. Das war der Effekt, den ich erwartet hatte. Doris war vorher in der Küche und konnte mein wow erst nicht nachvollziehen. Aber nach kurzer Zeit, nachdem sich ihre Augen etwas an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sah sie es dann auch. Ein fantastischer Anblick. Randsterne gut aufgelöst und im Zentrum funkelte es wie im Diamantenkästchen :) Doris und CM-1400
Zwischenzeitlich war ich mit der Nachführung bzw. der Positionierung gar nicht zufrieden. Beim Anziehen der Rutschkupplung l&oum;ste sich dann auch noch ein Handrad. Also Inbusschlüssel vom Dachboden geholt und wieder festgeschraubt. Dann haben wir noch mal die Balance geprüft. Unglaublich, was so eine Taukappe doch ausmacht. Bitte wieder keine Fragen zum Ausbalancieren, es ist echt ätzend. Aber dafür arbeiteten die Motoren nach der natürlich erforderlichen Poljustierung einwandfrei.
Da ich nun den Himmel noch nicht aus dem Effeff kenne, waren erst mal M36 und M37 angesagt. Nee, Stopp, zuerst haben wir Saturn eingestellt, aber das Bild war grausam verschwommen. Also weiter zu M36. Erstes Problem, der Sucher :)) ich brauchte einen Hocker um dranzukommen. Zweites Problem, nichts gefunden. Sollte ich den Sucher vielleicht doch erst mal Scharfstellen? Ha, gute Idee. Aber M36 ist doch zu gross, auch für das 50mm Okular. M37 kommt da schon besser. Zum Abschluss noch mal M34 angefahren und da wurde Doris auch schon müde.
Ok, um halb zwölf mitten in der Woche kann das schon mal passieren. Da das Riesengerät allein halt nicht zu bewältigen ist, haben wir angefangen abzubauen. Das hat sicher knapp 20 Minuten gedauert, einfach nur fürs Reinstellen der Einzelteile. Und dann ab ins Bett, glücklich und zufrieden (vorher noch eben mit einem Sektchen angestossen, wie sich das gehört).
Zwei Tage von der Bestellung bis zum First Light, das hatte ich nun wirklich nicht erwartet. Ich freu mich schon auf die nächste Beobachtung. Angeblich soll das Wochenende ja phantastisch werden.

So, ich hoffe, meine ersten Eindrücke sind gut rüber gekommen :) Tests gibt es später.

Nachtrag:

In der Zwischenzeit habe ich nur wenige Beobachtungen mit dem C14 gemacht. Wie bereits oben beschrieben ist das Aufbauen mit erheblichem Aufwand verbunden und kann von mir allein nicht bewältigt werden. Deshalb habe ich zu dem Tubus nur zwei Anmerkungen:
Das Spiegelshifting ist recht gering und die Fokussierung arbeitet feinfühlig aber nicht zu lasch. Kürzlich wurde auf der C14 Liste der yahoogroups ein Tipp vorgestellt, der die Transportsicherung des Hauptspiegels nutzt, um das Shifting noch weiter zu reduzieren, vor allem das Shifting beim Durchgang durch die Südrichtung. Dazu werden in die Bohrungen am hinteren Ende des Tubus Gewindestangen eingeschraubt, bis sie den Hauptspiegel berühren und leicht gegen das zentrale Blendenrohr verkanten.
Die Montierung habe ich dagegen häufiger benutzt, und zwar zusammen mit meinem C8. Doch bereits die wenigen Beobachtungen mit dem C14 zeigten, dass die Montierung für diesen Tubus zu schwach ist. Selbst bei visuellen Beobachtungen sind Vergrösserungen über 100x schon bei schwachem Wind nicht praktikabel.
Rutschkupplung Ausserdem hat die Montierung einen gravierenden Schwachpunkt, der auch auf der C14 Liste bei den yahoogroups regelmässig ausführlich diskutiert wird. Die Kupplung der Motoren an die Antriebsschnecken ist als Rutschkupplung ausgeführt (siehe Bild). Dabei wird eine Mutter gegen den Handknopf gedrückt, die diesen dabei von der Welle schieben kann. Genau dies ist mir bei meinem First Light ja auch passiert. Nun lässt sich der Handknauf aber nicht besonders gut befestigen. Er ist aus Aluminium und mit einer Madenschraube auf der Welle fixiert. Diese Konstruktion ist schlichtweg ungenügend. Schliesslich will niemand riskieren, das schwache Aluminiumgewinde durch übermässiges Anziehen der Madenschraube auszudrehen. Eine ordentliche Nachführung erfordert somit eine sehr gute Ausbalancierung des Tubus. Wie bereits oben beschrieben, ist das ohne Laufgewicht am Tubus, was die Montierung aber wiederum stärker belastet, eine heikle Aufgabe.
Im Gegensatz zu den Vixenmontierungen, deren chinesischen Nachbauten sowie den Losmandy Montierungen ist bei der CI 700 der Polsucher nicht in der Polachse sondern auf dem Polachsengehäuse montiert. Dabei ist er allerdings nicht justierbar . Ausserdem ist dadurch nicht die Einstellung von Datum und Urzeit möglich, wie ich es von meiner Vixen Super Polaris kenne. Ob sich das in der Praxis negativ auswirkt ist allerdings fraglich. Für die visuelle Beobachtung ist die Ausrichtung genügend. Ob die Ausrichtung für die Fotografie mit irgend einem Polsucher genau genug ist, oder ob nicht sowieso das Einscheinern der Montierung zu bevorzugen ist, hängt sicher von den individuellen Anforderungen ab.
Nun aber auch mal was Positives. Die Steuerung bietet je vier verschiedene Nachführ- und Korrekturgeschwindigkeiten, Korrektur des periodischen Schneckenfehlers sowie Anschlussmöglichkeiten für Autoguider und PC.
An der Handkontrollbox lassen sich die Belegungen der Korrekturtasten für Deklination und Rektaszension unabhängig voneinander umkehren. Damit lässt sich die Kontrollbox an beliebige Orientierungen des Gesichtsfelds (z.B. bei Beobachtung mit oder ohne Zenitprisma) anpassen.
Ebenfalls sehr gut gefällt mir die Klemmung der Achsen. Überzwei Schrauben je Achse lassen diese sich prima einstellen.
Die Gegengewichtsachse dreht sich übrigens nicht mit, so dass dort keine Kamera montiert werden kann.
Das Dreibeinstativ ist mit ca. 9kg noch transportabel, dabei aber durch den Durchmesser der Beine von immerhin 7cm äusserst stabil.
Für die Spannungsversorgung mit 12V liegt ein Anschlusskabel an eine Zigarettenanzünderbuchse bei.

*Fastaroption: Fangspiegel ausbauen, Korrekturlinse rein, CCD-Kamera (leider nicht jede) rein. 14" Öffnung bei knapp 75cm Brennweite, also Blende 2.1. Bin mal auf die ersten Bilder gespannt.

**Advanced Astro Master: Reine Datenbank, kein Goto. Liest die digitalen Teilkreise aus, findet Objekte im Gesichtsfeld. PC Anbindung möglich.


Letzte Änderung am 22.12.2001 durch
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